5. November 2017 · Aktuell, Kultur, Veranstaltungsberichte

Arbeit früher und heute – so könnte man ganz kurz und knapp die Führung durch die DASA beschreiben. Doch tatsächlich steckt sehr viel mehr hinter der Ausstellung der DASA – Deutsche Arbeitsschutzausstellung.

In 90 Minuten wurde uns (nur) ein Bruchteil der Ausstellung gezeigt – so umfangreich sind die Arbeitswelten und Exponate. Doch diese 90 Minuten wurden ausgesprochen unterhaltsam und kurzweilig gestaltet. Der humorvolle Museumsführer begann seine Führung bei der Heimarbeit einer Schneiderin Ende des 19. Jahrhunderts – eine Zeit, in der es noch keinen elektrischen Nähmaschinen gab. Doch der Schritt zur industriellen Fertigung von Stoffen war nicht weit. Gleich gegenüber befand sich eine Dampfmaschine, die einen Generator zur Stromerzeugung antrieb und zu Demonstrationszwecken selbst aber mit einem Elektromotor angetrieben wurde. Ein Raum weiter standen drei Webstühle aus dem Jahr 1920, die für uns in Betrieb genommen wurden. Ein Messgeräte zeigte an, auf welchen Lärmpegel plötzlich die Lautstärke stieg. Wir empfanden bereits die kurze Zeit als laut, doch in früheren Zeiten mussten die Mitarbeiter diese Lautstärke den ganzen Tag ertragen – und das nicht von drei Webstühlen, sondern von hunderten, die in einer Halle standen.

Und damit waren wir beim ersten Thema des Arbeitsschutzes: die Lautstärke. Doch wenn wir in diesem Zusammenhang von früher sprechen, dann sprechen wir noch von den 1980er-Jahren. Bis dahin waren eben diese Webstühle in Deutschland noch in Betrieb – ohne Gehörschutz!
Ein weiteres Thema beim Arbeitsschutz ist die Büroarbeit – konkret das Sitzen. Ein kleiner Raum vollgestellt mit unterschiedlichen (ergonomischen) Stühlen lud zum Verweilen ab. Doch Obacht: wir waren hier nicht zum Ausruhen! Denn in diesem Raum stand ein Meßgerät, das unsere innere „Mitte“ messen konnte. Wie das? Jeder von uns durfte sich auf die (locker gelagerte) Messplatte stellen, ein Bein anheben und dann 10 Sekunden versuchen, still zu halten. Die Ausschläge unserer „Unruhe“ konnten wir an einem Monitor sehen. Erstaunlich, wie unterschiedlich unsere Ausschläge waren. Es war wirklich nicht einfach, ruhig auf einer wackeligen Platte zu stehen.

Nach diesem kurzen körperlichen Einsatz betraten wir einen Bereich, der weiterhin die Ergonomie in Büros zum Thema hatte. Ein Schlafplatz für „Power-Napping“, ein Arbeitsplatz mit mehreren Monitoren und eine Decke, die über den Tag hinweg farblich den Sonnenauf- und untergang simulierte. Ein wichtiger Hinweis gab es hier noch für arbeitende Bevölkerung: Überstunden bringen im Prinzip nicht den gewünschten Erfolg, da die Konzentration (in Studien ermittelt) nachweislich nach ca. 8 – 9 Stunden messbar nachlässt.

Ein anderer Arbeitsplatz, an dem man volle Konzentration benötigt, ist das Cockpit. Hierzu durften wir uns unter Anleitung eines Fachmanns in ein Cockpit eines Airbus A 320 setzen. Ein Computer sorgte hinter den Cockpit-Fenstern für ein detailreiches Flugerlebnis. Rund 64.000 Flughäfen und Szenarien kennt der Simulator.

Die andere Seite des Flugzeugs ist nicht weniger anstrengend. Im Gegenteil. Ein Fluglotse, dessen Arbeitsplatz hier ebenfalls ausgestellt war, wird alle 2 Stunden abgelöst. Zu groß ist die Verantwortung bei der Planung der Start- und Landevorgänge. Ein weiterer Simulator zeigte den Tower des Dortmunder Flughafens. Hier konnten neben dem Wetter auch Notfälle simuliert werden – sehr beeindruckend!

Ein ganz anderes Themenfeld waren Schreibmaschinen, die im Übrigen eine enge Verwandtschaft zum Revolver haben. Gemeint ist der Colt. Eine bekannte Marke ist Remington – ein Hersteller von Revolver und Gewehren. Die Technik, die bei einem Revolver die Trommel weiterbewegt, hat Remington genutzt, um die Schreibwalze weiterzubewegen. Und so wundert es nicht, dass es auch Schreibmaschinen von Remington gab. Eine weitere Tastatur fanden wir an einem überdimensionierten Laptop. Hier hatten wir die Möglichkeit, ein Riesen-Selfie zu machen.

Nun ging es in den Außenbereich. Dort stand ein echter Bagger, der nur darauf wartete, bedient zu werden. Zwei aus unserer Gruppe nutzten die Gelegenheit und schaufelten ein paar Löcher. Gleich daneben typische Werkzeuge aus dem Bau: Rüttler, Presslufthammer, Bauwagen, Kräne und vieles mehr. Auch eine alte Dampfwalze aus dem Jahre 1920 war zu besichtigen, die tatsächlich noch bis in den 1980er-Jahren in der damaligen DDR zum Einsatz kam.

Vom Bau ging es zur Stromerzeugung: wir betraten eine riesige Halle, die neben Wartungswagen für Stromleitungen, vor allen Dingen mit dem riesigen Steuerpult des Kraftwerkes Hamm-Uentrop beeindruckte.

Vorbei an modernen Feuerwehr-Ausrüstungen und einer Feuerwehr-Leitstelle ging es nun in die (für uns) letzte Halle des heutigen Tages: eine Fahrzeughalle. Das erste Fahrzeug, das wir besichtigen konnten, war ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Herborn. Herborn? Ja, der Ort in dem im Juli 1987 das tragische Unglück passierte, bei dem ein voll beladener Tankwagen in einer Kurve in eine Eisdiele raste und explodierte. Der ausgestellte Feuerwehrwagen war damals am Einsatz beteiligt. Und nicht nur das: gleich daneben stand das völlig ausgebrannte Führerhaus des Unglückstanklasters, das Chassis und Teile des Tanks. Man kann sich etwa vorstellen, welche Kräfte dort gewütet haben mussten.

Das letzte Exponat des Tages war eine Straßenbahn aus den 30er Jahren. Eine nostalgisch wirkende Bahn mit Holzbänken und einigen typischen Details der damaligen Zeit. Ganz ungefährlich war der Job des Schaffners nicht. Denn die Bremse wurde mit Druck gesteuert und wenn diese unkontrolliert gelöst wurde (z.B. durch einen Fahrgast), schnellte der Bremshebel mit großer Wucht gegen den Schaffner. Alle zwei bis drei Wochen durfte ein Schaffner damals mit Rippenprellungen ausgetauscht werden.

Nach gut 90 Minuten war diese kurzweilige Führung schon zu Ende. Doch wir haben gerade einmal die Hälfte des Erdgeschosses gesehen und ein Obergeschoss gibt es auch noch. Allen Teilnehmern war klar: jeder muss / möchte nochmal zur DASA. Es ist einer der interessantesten Ausstellungen, die wir je besucht haben. Dazu kommt, dass man bei vielen Exponaten aktiv mitmachen kann. Sehr spannend und sehr kurzweilig! Eine tolle Ausstellung.